Der Bahnhof Wickensen als FREMOdul

Das Vorbild

Die Betriebsstelle Wickensen der Vorwohle-Emmerthaler Eisenbahn AG (VEE) - bzw. später der Vorwohle-Emmerthaler Verkehrsbetriebe GmbH (VEV) - befand sich beim Streckenkilometer 4,62 und wurde am 19.10.1900 als Haltestelle für den Personen- und Güterverkehr eröffnet; es verfügte über ein Ladegleis für die Domäne Wickensen. Das im Bauhausstil gestaltete Agenturgebäude wurde im Jahr 1928 errichtet. Nach Einstellung des Personenverkehrs am 01.04.1975 wurde der Güterverkehr bis 1998 weiter betrieben.

Die Betriebsstelle Wickensen war zwischen dem Streckenkilometer 4,60 bis 4,91 mit einem Anschlußgleis für die Hils-Dolomit- und Kalkwerke GmbH ausgestattet. Dieses diente der Verladung von Gips- und Kalksteinen, die aus dem Steinbruch Holzen per 2 km langer Materialseilbahn angeliefert wurden, in Güterwagen. Die Materialseilbahn ging ungefähr im Jahr 1924 in Betrieb; der Betrieb währte aber nicht lange, da bereits im November 1925 das Konkursverfahren über die Hils-Dolomit- und Kalkwerke GmbH eröffnet wurde. Im Jahr 1929 übernahm ein neuer Betreiber den Betrieb. Auf eimem Gleisplan, der auf das Jahr 1926 datiert ist, sind das Anschlußgleis und die Verladeeinrichtung eingetragen. Etwa im Jahr 1946 muß das Anschlußgleis zurückgebaut worden sein.

Im Jahr 1949 wurde eine neue 2,5 km lange Seilbahn von einem Gipsbruch beim Kleinen Homberg zur Betriebsstelle Wickensen eingerichtet, die bis zum September 1969 in Betrieb war. Zum Umschlag der Gipssteine wurde beim Streckenkilometer 5,462 ein 334 m langes und beidseitig angeschlossenes Ladegleis errichtet. Mit der Seilbahn wurden pro Jahr ca. 75.000 t Gipssteine pro Jahr angeliefert, die zunächst mit vier Sperrfahrten zum Bahnhof Eschershausen und dann mit regulären Zügen nach Bodenwerder transportiert wurden. Im Jahr 1972 wurde das Anschlußgleis zurück gebaut.

Anzumerken ist, daß sich der Gipsbruch in der unmittelbaren Nähe des Gipsbruchs Mönchekopf befand, aus dem die Fabriken in Stadtoldendorf per Feldbahn mit Gips beliefert wurden. Abnehmer der in der Betriebsstelle Wickensen in Güterwagen umgeschlagenen Gipssteine war die Vereinigte Baustoffwerke Bodenwerder GmbH, die im Jahr 1945 gegründet wurde und 1948 den Produktionsbetrieb aufnahm. Nach einem Ausbau der Produktionsanlagen 1958 wurde 1961 der Produktnahme "Rigips" auch als Firmenname übernommen. Für den Steinverkehr, der das Gesamtfrachtaufkommen der VEE bis zu einem Drittel bestimmte, hielt die VEE vier eigene Spezialwagen vor:

Bemerkenswert an der Betriebsstelle Wickensen war ein kleines Agenturgebäude, das im Stil des Bauhauses gestaltet war. Überreste des Gebäudes können heute (2018) noch besichtigt werden.

Der ehemalige Bahndamm von Vorwohle nach Emmerthal, 2018 Der ehemalige Bahndamm von Vorwohle nach Emmerthal, 2018

Abbildungen 1 und 2: Blick auf den ehemaligen Bahndamm von Vorwohle in Richtung Emmerthal, der heute als Lenne-Wanderweg dient. Rechts ist das Agenturgebäude zu erkennen.

Das ehemalige Agenturgebäude, 2018 Das ehemalige Agenturgebäude, 2018

Abbildungen 3 und 4: Reste des ehemaligen Agenturgebäudes sind im Jahr 2018 noch vorhanden.

Ladegleis, 2018 Schwellen, 2018

Abbildungen 5 und 6: Wenn man aufmerksam hinschaut, kann man auch noch im Jahr 2018 im ehemaligen Bahngelände Reste des Ladegleises und ausgebaute Schwellen entdecken.

Gelände der Verladung, 2018 Bahnübergang, 2018

Abbildungen 7 und 8: Da wo sich heute eine kleine Schonung, befindet müßte sich die 1926 erichtete Verladeanlage befunden haben. Reste eines Blinklicht-Steuerschranks befinden sich noch an der Straße nach Holzen.

Das Modell

Bislang habe ich die Bahnhöfe Hornhausen (OSE) und Schöningen-Süd (BSE/OSE) als FREMOdule nachgebaut. Im Unterschied zu Hornhausen ist der Bahnhof Schöningen-Süd maßstäblich unter Beachtung der H0fine-Normen nachgebildet worden. Leider ist das FREMOdul Schöningen-Süd hinsichtlich des Transports zu einem FREMO-Treffen relativ aufwändig zu handhaben; angesichts seiner Größe kann es auch nicht in jedes Modul-Arrangement eingeplant werden. Daher soll das nächste Projekt überschaubarer sein; der Nachbau ist für die Zeit nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben angedacht.

Bei der Sichtung der einschlägigen Literatur bin ich auf der Suche nach einem geeigneten Vorbild auf den Haltepunkt Wickensen gestoßen, dessen Nachbildung mich aus zwei Gründen reizt: zum einen wegen des im Bauhausstil errichteten Agenturgebäudes, zum anderen wegen der Umladestelle für die Gipssteine, die ein für ein FREMO-Treffen angemessenes Frachtaufkommen generiert. Die Betriebsstelle Wickensen soll wie der Bahnhof Schöningen-Süd maßstäblich und als H0fine-Modul entstehen.

In dem Buch von Meinhard Döpner "Die Deutsche Eisenbahn-Betriebs-Gesellschaft AG" habe ich auf Seite 87 einen Gleisplan (Stand 1926) gefunden, in dem eine Verladeanlage der Hils-Dolomit- und Kalkwerke eingezeichnet ist. Demnach war die Umladestelle am Außenbogen errichtet und bediente scheinbar nur das Außengleis. Fotos der Betriebsstelle Wickensen sind mir aus den Büchern von Hans Wolfgang Rogl "Vorwohle - Emmerthal" (Seite 57), von Gerd Wolff "Deutsche Klein- und Privatbahnen, Band 11" (Seite 99) sowie von Josef und Stefan Högemann "Eisenbahnchronik Weserbergland" (Seite 245) bekannt. Diese Mitte der 1960er Jahre angefertigten Aufnahmen sind jedoch nicht konsistent mit dem mir bekannten Gleisplan (die Verladeanlagen sind am Innenbogen, nicht am Außenbogen, positioniert). Die Diskrepanz zwischen dem Gleisplan und den Fotos konnte ich bislang noch nicht endgültig auflösen. Ich vermute, dass die im Jahr 1949 neu errichtete Seilbahn ihren Endpunkt - und damit auch ihre Verladeeinrichtung - an anderer Stelle als der ursprünglichen hatte. Diese These wird durch die Auswertung eines älteren Meßtischblattes gestützt. Danach hatte die neu errichte Materialseilbahn ihren Ursprung nicht im Steinbruch Holzen, sondern auf der gegenüberliegenden Seite der Bahnstrecke in der Nähe der Stadt Stadtoldendorf.

Weitere Informationen zur Betriebsstelle Wickensen (z.B. Gleisplan, Fotos und Zeichnungen des Agenturgebäudes, Unterlagen zu der Verladeeinrichtung und der Materialseilbahn) nehme ich gerne entgegen.


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